Informationen und Hintergründe zu Inkontinenz

Hilfsmittel zur ableitenden Inkontinenztherapie

Ratgeber zum Intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK)

Kostenübernahme von Inkontinenzhilfsmitteln


Ratgeber zur Selbstkatheterisierung ...
Der behandelnde Arzt zeigt Möglichkeiten der Therapie auf
Mit dem richtigen Hilfsmittel können Sie sich Ihre Selbstständigkeit erhalten
Die Anwendungsberaterin unterstützt mit Tipps den optimalen Hilfsmitteleinsatz
Intermittierender Selbstkatheterismus Definition

Intermittierender Selbstkatheterismus, kurz: ISK, ist eine Methode zur selbstständigen Blasenentleerung unter Nutzung eines ISK Katheters. Im Gegensatz zu einem Dauerkatheter wird dieser nur einmalig angewendet. Der Katheter ist eine Art Schlauch, der sich möglichst leicht durch die Harnröhre in die Blase vorgeschoben wird. Vorteil: Der ISK Katheter reduziert das Risiko einer Harnwegsinfektion.

ISK Katheter spielen für mobile Patienten eine zentrale Rolle in der ableitenden Inkontinenzversorgung. Wie die Anwendung im Genauen erfolgt, wie oft, welche Vorteile und mögliche Komplikationen der Selbstkatheterismus mit sich bringt und für wen er sich eignet, dass erfahren sie in diesem Ratgeber zur Selbstkatheterisierung.
Einmalkatheter Anwendung und Hilfe
Bevor der Patient einen ISK Katheter anwendet, ist eine Anleitung im Vorfeld notwendig. Das Gute ist: Die Methode der Selbstkatheterisierung ist leicht zu erlernen. Bereits Kinder ab acht Jahren sind dazu in der Lage. Sollte der Patient eingeschränkt sein und seine motorischen Fähigkeiten nicht komplett nutzen können, dann stehen entsprechende Hilfsmittel zur Verfügung, die den intermittierenden Selbstkatheterismus erleichtern.
Wie oft katheterisieren?
Um die Frage zu beantworten, muss zuerst gefragt werden, wie oft Sie zur Toilette gehen. Der Entleerungsintervall richtet sich grundsätzlich bei kompletter Wahrnehmungsfähigkeit nach dem natürlichen Harndrang. Im Durchschnitt sollte der intermittierende Selbstkatheterismus 5-6 mal am Tag durchgeführt werden bei einer normalen Flüssigkeitszufuhr von 1,5 - 2 Liter. Eine chronische Blasenüberdehnung mit über 500 ml Füllmengen gilt es dabei zu vermeiden.

Um Sicherheit zu gewinnen, wie oft sich der Patient katheterisieren sollte, kann ein Miktionsprotokoll genutzt werden, so dass über den Tag sowohl die Trinkmenge als auch die Urinmenge erfasst wird. Ihr behandelnder Arzt oder Ihre medizinische Fachkraft kann mit Ihnen gemeinsam geeignete Zeiten besprechen.
Indikation
Neurogene Blasenentleerungsstörungen können die Folge unterschiedlicher neurologischer Krankheitsbilder sein. Der intermittierende Selbstkatheterismus ist dann eine gute Wahl, um dem Patienten eine größtmögliche Eigenständigkeit und Freiheit zu bewahren. Mögliche Indikationen können sein:

• Blasenlähmung in Folge von Multiple Sklerose, Schlaganfall, Diabetes oder Medikamentennebenwirkungen
• Ersatzblasen (Pouch)
• Schwere Schädel-Hirnverletzungen
• Schwere Bandscheibenschäden
• Querschnittslähmung
• Spina bifida
• Blasenüberaktivität aufgrund einer medikamentösen Behandlung
• Prostataerkrankung
• Psychogene Erkrankungen
• Restharn
Voraussetzungen
Um den intermittierenden Selbstkatheterismus durchzuführen, sind bestimmte Voraussetzungen seitens des Patienten erforderlich:

• der Patient muss über hinreichende motorische Fähigkeiten und Fingerfertigkeit verfügen.
• besteht ein Defizit in der Feinmotorik, können Hilfsmittel die Einschränkungen ausgleichen.
• ebenso ist es notwendig, die entsprechende Bereitschaft und Motivation mitzubringen, den ISK anzuwenden, sowie eine gewisse Lernfähigkeit.
• Natürlich kann auch eine Pflegefachkraft wie zum Beispiel ein ambulanter Pflegedienst oder eine geschulte Bezugsperson den ISK durchführen.
Unterschiede von Frau und Mann
ISK Katheter unterscheiden sich bei weiblichen und männlichen Patienten in einigen Fällen durch ihre Katheterspitze und Länge.

Die Anwendungen speziell für den Mann verfügen in der Regel über eine Länge von 40 cm, die für Frauen liegen meist bei einer Länge von 7 cm bis zu 20 cm. ISK-Katheter mit einer abgerundeten und geraden Spitze, der sogenannten Nelatonspitze, eignen sich für beide Geschlechter. Für männliche Patienten wird teilweise eine leicht gebogene Tiemannspitze bevorzugt, um den prostatischen Bereich der Harnröhre gegebenenfalls besser überwinden zu können.

Welcher Katheter am besten genutzt werden kann, sollte in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt oder einer medizinischen Fachkraft besprochen werden. Um die Handhabung zu erlernen, stehen Ihnen unsere examinierten Pflegekräfte sehr gerne zur Seite und unterstützen Sie bei allen Ihren Fragen.
Vorbereitung und Hygiene
Eine unsachgemäße Handhabung des Katheters - durch beispielsweise das Kontaminieren der Katheterspitze - kann einen Harnwegsinfekt auslösen. Daher ist das Einhalten der hygienischen Maßnahmen unumgänglich.

Reinigung und Desinfektion der Hände

Eine gründliche Reinigung und Desinfektion der Hände ist Voraussetzung für den Selbstkatheterismus, selbst wenn der Patient dabei Handschuhe trägt. Dabei sollten Sie alle Stellen der Hände gereinigt und desinfiziert werden, auch die Zwischenräume zwischen den Fingern. Dazu können zum Beispiel auch entsprechende Desinfektionstücher genutzt werden. Beachten Sie aber bitte auf jeden Fall die entsprechende Einwirkzeit.

Desinfektion des Intimbereiches

Nicht nur die Hände sollten bei der Selbstkatheterisierung eingehend gereinigt und desinfiziert werden, sondern auch der Intimbereich des Patienten.

Im Intimbereich der Frau

Betroffene Frauen, die den Intermittierender Selbstkatheterismus zu Hause durchführen, gehen wie folgt vor:

• Als erstes den Tupfer oder die Kompressen mit einem Desinfektionsmittel, dass sich für Schleimhäute eignet, durchfeuchten.
• Anschließend das durchtränkte Medium erst über die großen und dann über die kleinen Schamlippen mit jeweils einem Tupfer oder Kompresse geben.
• Achtung bei der Richtung: Immer von der Symphyse zum Anus hinarbeiten.
• Mit einem weiteren Tupfer oder Kompresse die Harnröhrenöffnung desinfizieren.
• Ein zusätzlicher Tupfer oder Kompresse kann dazu dienen, vor der Vaginalöffnung platziert zu werden.
• Bitte achten Sie darauf, die jeweilige Einwirkzeit strikt einzuhalten.

Bei einer Sprühdesinfektion:

• Hierbei bitte das Spray direkt auf die Schamlippen und den Harnröhreneingang sprühen.
• Halten Sie bitte die gesonderten Einwirkzeiten der einzelnen Produkte ein.

Im Intimbereich des Mannes

Bei einer Wischdesinfektion:

• Als erstes den Tupfer oder die Kompressen mit einem Desinfektionsmittel durchfeuchten, dass sich für Schleimhäute eignet.
• Als Nächstes mit jeweils einem separaten Medium Eichel, Vorhaut und Harnröhre desinfizieren.
• Bitte achten Sie darauf, die jeweilige Einwirkzeit strikt einzuhalten.
Bei einer Sprühdesinfektion:

• Das Desinfektionsspray direkt auf die Eichel geben.
• uch hier gilt: Berücksichtigen Sie bitte die Einwirkzeit.
Vorteile Selbstkatheterismus
• Die Anwendung ist einfach, sicher und schmerzfrei – wenn auch die Benutzung etwas Übung erfordert.
• Betroffene erhalten sich ein gewisses Maß an Autonomie und Mobilität.
• Die sexuelle Erlebnisfähigkeit bleibt intakt.
• Ein ungestörter Schlaf trägt zu einer verbesserten Erholung des Patienten bei.br>
• Der Patient entscheidet selbstbestimmt über die Zeit und den Ort der Blasenentleerung.
• Die Verwendung von ISK Katheter verbessert das Lebensgefühl im Vergleich zu einem Dauerkatheter.
• Kein ungewollter Harnverlust durch vollständige Entleerung der Harnblase.
• Letztere führt auch dazu, dass ein Rückfluss des Urins in die Nieren sowie etwaige Nierenschäden verhindert werden.
Mögliche Komplikationen
• Bei falscher Handhabung – vor allem bei unsachgemäßer Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen – sind Harnwegsinfektionen möglich.
• Auch besteht die Möglichkeit, dass es zu Verletzungen der Harnröhre kommt, wenn bei der Selbstkatheterisierung zu unvorsichtig vorgegangen wurde.
• Weiter kann Restharn in der Blase verbleiben, wenn der Katheter zu früh herausgezogen wird.
• Ebenso kann das Via Falsa Syndrom auftreten, wenn der Katheter unbeabsichtigt den korrekten Weg verlassen und die Harnröhre durchstoßen hat.

Um das Risiko möglicher Komplikationen auszuschließen, lassen Sie sich bitte ausreichend in den Intermittierenden Selbstkatheterismus einweisen und lernen Sie langsam und sorgfältig die Handhabung.

Unsere examinierten Pflegekräfte stehen Ihnen gerne beim Erlernen des Selbstkatheterismus zur Seite und helfen Ihnen mit Tipps und Infos, solange bis Sie sich sicher fühlen