Informationen und Hintergründe zu Inkontinenz

Hilfsmittel zur ableitenden Inkontinenztherapie

Ratgeber zum Intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK)

Kostenübernahme von Inkontinenzhilfsmitteln


Informationen und Hintergründe zu Inkontinenz ...
Das Gespräch mit dem behandelnden Arzt ist die Basis für den Hilfsmitteleinsatz
Mit dem richtigen Hilfsmittel wird die Mobilität erhalten
Betroffene und Angehörige werden bestmöglich unterstützt
Harninkontinenz ist eine Bezeichnung für den ungewollten, unfreiwillige Verlust von Urin. Harninkontinenz, auch Blasenschwäche, Urinabgang oder Harnverlust genannt, ist dabei primär ein Symptom und tritt aufgrund verschiedenster Ursachen auf. In der Regel geht der Urinverlust auf eine Erkrankung im empfindlichen Gefüge aus Blasenmuskulatur, Schließmuskeln und Beckenbodenmuskulatur zurück. Oft tritt sie dabei nach Schwangerschaften, Operationen, Nervenschädigungen oder bestimmter Grunderkrankungen auf.

Welche Formen von Harninkontinenz gibt es?

• Belastungs- oder Stressinkontinenz
• Dranginkontinenz/Urge
• Mischinkontinenz (Belastungs- und Dranginkontinenz)
• Reflexinkontinenz
• Überlaufinkontinenz
• Extraurethrale Inkontinenz

Die Formen der Harninkontinenz sind sehr vielfältig. Abhängig davon, welche Erkrankung zugrunde liegt oder welche Charakteristika sich zeigen, erfolgt eine Differenzierung in unterschiedlichen Formen der Harninkontinenz. Um herauszufinden, welche Form vorliegt, ist eine Diagnose bei einem Arzt unumgänglich.

Weitere detailierte Informationen erhalten Sie in den Infoboxen ...
Was hilft gegen Harninkontinenz?
• Nur wer drüber spricht, dem kann geholfen werden
• Harninkontinenz ist keine Krankheit, sondern nur ein Symptom einer Störung, die oft behoben werden kann
• Es gibt zahlreiche Maßnahmen, die für Abhilfe sorgen
• Elementar für eine erfolgreiche Behandlung ist eine Diagnose von einem entsprechenden Mediziner, um die genaue Ursache zu ermitteln
Inkontinenz vorbeugen – Aber wie?
• Achten Sie auf ihr Körpergewicht. Übergewichtige Personen sind anfälliger, die Muskulatur wird mehr beansprucht
• Ob Fitness oder Sport – je kräftiger die Bauch- und Beckenmuskulatur ist, desto besser ist eine Person vor Inkontinenz geschützt. Insbesondere ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur ist eine hervorragende Prävention
• Chronischer Raucherhusten wirkt sich schlecht auf den Beckenboden und Blasenmuskulatur aus

Harninkontinenz - Heimliche Volkskrankheit

Inkontinenz zählt zu den typischen Gesundheitsproblemen im Alter, betrifft jedoch auch junge Frauen und Männer sowie in einigen Fällen auch Kinder. Allein in Deutschland sind über 10 Millionen Personen harninkontinent. Unter Frauen ist sie die häufigste chronische Krankheit - noch vor Hypertonie (Bluthochdruck).
Therapie der Harninkontinenz
Durch geeignete Abklärung und Therapie können 80 Prozent der Betroffenen von ihrem Leiden geheilt werden und bei den restlichen 20 Prozent lässt sich durch eine gute Hilfsmittelversorgung der Alltag erträglicher gestalten, so der Ratgeber der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.

Je nach Diagnose des Patienten eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten der Therapie, die für viele Patienten zu einer Verbesserung der Situation oder auch zu einer Heilung führt. Für eine erfolgversprechende Therapie ist eine vollständige Diagnose notwendig, die sich orientiert an der Form und dem Schweregrad der Harninkontinenz. Ob konservative oder operativer Ansatz zur Therapie – in der modernen Medizin stehen eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Welche Therapie bei Harninkontinenz? 10 Methoden im Überblick ...

1. Beckenbodentraining/ Beckenboden-Gymnastik
Mittels Unterweisung durch einen Physiotherapeuten lernt der Betroffene, wie sich die der Druck auf den Beckenboden minimieren und schlechte Anspannungsmuster ablegen lassen. Zusätzlich lernt der Patient, den Beckenboden zu stärken dank eines entsprechenden Trainings. Oft ist die Beckenboden-Gymnastik das Mittel der Wahl für Frauen nach der Geburt.

2. Pessar – Speziell bei Harninkontinenz von Frauen
Sinnvoll ist eine Therapie mit Pessaren, wenn die Ursache der Stress- oder Belastungsinkontinenz auf das Abknicken der Harnröhre zurückzuführen ist. Pessare sind Medizinprodukte, die diskret in die Vagina eingeführt werden. Dort stützen sie die Harnröhre, stellen die natürliche Anatomie der Frau wieder her und verbessern langfristig bei regelmäßiger Anwendung den Muskeltonus.

3. Harninkontinenz – Versorgung mit Kathetern
In Altenheimen, Krankenhäusern oder bei Querschnittslähmung: Hilfsmittel wie Katheter nehmen in der Kontinenzversorgung eine bedeutende Rolle ein, geben dem Patienten ein sicheres Gefühl und es gibt sie in vielfältigen Varianten. Unabhängig davon, ob es sich um einen Fremd- oder Selbstkatheterismus (ISK), wird ein Schlauch in die Harnblase eingeführt. Dies kann transurethral, suprapubisch oder aber als Nephrostomie erfolgen. Ferner werden unterschieden nach Dauerkatheter oder Einmalkatheter.

4. Biofeedbacktraining
Wahrnehmung ist alles! Nur wer weiß, welche Muskeln er oder sie anspannen muss, der kann gezielt seinen Beckenboden trainieren. Dabei hilft das Biofeedbacktraining. Eine kleine Sonde misst die Kontraktionen. Auf diese Weise kann der Patient erkennen, ob er beim Beckenbodentraining, auch die richtigen Muskeln anspannt.

5. Elektrotherapie
Bei dieser Therapieform handelt es sich um eine passive Möglichkeit zum Training des Beckenbodens. Dazu stärken elektrische Impulse entsprechende Muskeln. Komplett schmerzfrei versteht sich.

6. Miktionstraining zur Therapie der Harninkontinenz
Die Grundlage eines erfolgreichen Miktionstrainings ist die exakte Beobachtung des Toilettenverhaltens unter ärztlicher Aufsicht, selbst wenn das Training zu Hause erfolgt. Zum Einsatz kommt dabei ein sogenanntes Miktions- oder Trinktagebuch. Darin führt der Patient Protokoll, wie stark der Harndrang ist, wie viel Flüssigkeit ausgeschieden oder getrunken wurde. Anschließend erstellt der behandelnde Mediziner ein Trink- und Miktionsplan, der vorschreibt, welche Mengen getrunken und wann Toilettengänge erfolgen dürfen (selbst ohne Harndrang). Zweck der Maßnahme ist es, unkontrollierten Harndrang zu unterbinden, indem die Blase geregelt entleert wird.

7. Harninkontinenz behandeln mit Hormonen
Belastungs- beziehungsweise Stressinkontinenz ist oftmals auch auf hormonelle Ursachen zurückzuführen. Eine Hormonbehandlung kommt insbesondere bei weiblichen Patienten zum Einsatz, wenn sich die Inkontinenz entwickelt hat während oder nach den Wechseljahren. Die Behandlung erfolgt meist mit einem lokalen Östrogenpräparat.

8. Inkontinenz - Medikamentöse Behandlung
Zur Wahl stehen, je nach Diagnose, entweder krampflösende Medikamente bei Dranginkontinenz oder Alpharezeptorblocker. Letztere dienen der Behandlung von Überlaufinkontinenz oder Reflexinkontinenz.

9. Einlagen und Pants/ Unterhosen
Zu den aufsaugenden Inkontinenzhilfsmitteln zählen Einlagen in diversen Größen und Saugstärken. Aber auch Pants stehen zur Verfügung, die sich speziell eignen bei mittlerer bis starker Inkontinenz. Im Gegensatz zu den Einlagen, die in die Unterhose geklebt werden oder als Netzhose angezogen wird, stellen Pants eine Kombination aus Unterwäsche und Einlage dar.

10. Harninkontinenz – Operative Therapie
Operationen sind das Mittel der Wahl bei einer extraurethralen Inkontinenz, wenn beispielsweise ein Verschluss durch eine Fistel vorliegt. Auch eine vergrößerte Prostata ist ein Operationsgrund. Nichtsdestotrotz, eine Operation bei Harninkontinenz wird nur dann durchgeführt, wenn die nicht-operativen Therapiemaßnahmen erfolglos bleiben. Zur Umsetzung: Ziel der unterschiedlichen Operationsmethoden ist es, die Muskulatur des Beckenbodens zu straffen und die Harnröhre wieder aufzurichten. Die Erfolgsquoten sind hoch. Bei ca. 80 % der Patienten tritt eine Heilung oder starke Besserung ein.

Schweregerade der Harninkontinenz
Belastungsinkontinenz zeichnet sich dadurch aus, dass der Patient Urin während einer körperlichen Belastung verliert. Je nach körperlicher Anstrengung wird die Belastungsinkontinenz nach Schweregeraden differenziert:

Grad 1:
Verlust des Urins beim Husten, Niesen, Pressen, Heben, Tragen schwerer Gegenstände
Grad 2:
Patient verliert Urin beim Gehen oder Aufstehen
Grad 3:
Urinverlust bereits im Liegen
Folgen der Harninkontinenz
• Erhöhte Angst
• Depressionen
• Erschöpfung
• Niedrigere Lebensqualität durch geringere Teilnahme an sozialen Aktivitäten - bis hin zur Isolation
• Eingeschränkte Sexualität und eventuell Spannungen in der Partnerschaft
• Entzündungen im Genitalbereich
• Finanzielle Belastungen

Inkontinenz ist ein Tabuthema. Noch immer. Schätzungsweise 85 % der Betroffenen sprechen gar nicht oder zu wenig über das Thema. Doch um eine optimale Hilfe, Empathie und eine Lösung zu finden, ist eine Tabuisierung kontraproduktiv. Ärzte, Pfleger und Familie können dabei helfen, das Tabu zu brechen und so mehr Lebensqualität und eine bessere Versorgung der Betroffenen zu realisieren.